Seebeben in Südostasien
Die Katastrophe
kam unverhofft und ausgerechnet zu Weihnachten: Am 26. Dezember
2004 bebte die Erde vor der Küste Sumatras: Mit der
Stärke 9,0 auf der Richterskala war es das schwerste
Beben seit 40 Jahren. Die Seewelle breitete sich im gesamten
Indischen Ozean aus. Die in den zwölf Ländern
der Katastrophenregion angerichteten Schäden übertreffen
jedwede Vorstellungskraft. Nach Einschätzung der Vereinten
Nationen war es möglicherweise "die größte
Naturkatastrophe aller Zeiten".

Das Seebeben in
Südostasien hat mit seinen verheerenden Auswirkungen
auf einen Schlag über hunderttausend Menschen ausgelöscht,
Familien zerstört und ihr gesamte Hab und Gut zerstört.
Betroffen sind unter anderem auch die Menschen aus Sri Lanka
und Indien. Nicht nur ihnen, sondern allen Menschen, die
ihr Leben lassen mussten oder zum jetzigen Zeitpunkt leiden,
gilt unser tiefstes Mitgefühl, das in Worten nicht
auszudrücken ist. Vielmehr als Worte und Gesten können
im Moment finanzielle Mittel helfen, um den Opfer der Naturkatastrophe
mit Bergungsarbeiten und vor allem Nahrung zu unterstützen.
SPENDENAKTION

ARTIKEL
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in Kerala - Erlebnisbericht von Urmila Goel
Andamanen und Nikobaren fühlen
sich im Stich gelassen
Der beklemmende erste Schultag
in Port Blair
KURZMELDUNGEN

Zahl der Toten über
140.000
Eine Woche nach
der Flutkatastrophe hat sich die Zahl der amtlich bestätigten
Toten auf mehr als 140.000 erhöht. Allein in Indonesien
seien mindestens 94.000 Menschen ums Leben gekommen. In
Sri Lanka starben nach bisherigen Angaben knapp 30.000 Menschen,
in Indien wurden knapp 15.000 Tote gemeldet.
Sonntag 2. Januar 2005,
16:06 Uhr
Erdbebenwarnung für Assam löst
in Indien neue Panik aus
Gauhati (AP) Eine Woche
nach der Flutkatastrophe im Süden Indiens hat eine
Erdbebenwarnung für den Nordosten des Landes im Unionsstaat
Assam Angst und Schrecken ausgelöst. Die Behörden
von Assam gaben die Warnung heraus, nachdem mehrere indische
Zeitungen von einer Erdbeben-Vorhersage eines seismologischen
Forschungsinstituts in den USA berichtet hatten. Auf der
Internetseite des Zentrums für Erdbeobachtung und Raumforschung
der George-Mason-Universität in Virginia fanden sich
allerdings keine entsprechenden Angaben. Dort war am Sonntag
auch niemand erreichbar, so dass die Berichte nicht überprüft
werden konnten.
Sonntag 2. Januar 2005,
16:06 Uhr
Erstes Schiff erreicht Car Nicobar
Car Nicobar/Indien (AP)
Eine Woche nach der Flutkatastrophe in Asien hat das erste
Schiff mit Hilfsgütern die indische Insel Car Nicobar
erreicht. Elf der 15 Dörfer auf Car Nicobar, einer
der abgelegensten Inseln der Andamanen und Nikobaren, wurden
von dem Tsunami am vergangenen Sonntag vollständig
zerstört. In den übrigen vier Dörfern richtete
die Welle schlimme Verwüstungen an.
Wie viele der 20.000 Inselbewohner
die Katastrophe überlebten, blieb auch am Sonntag zunächst
unklar. Viele Menschen könnten sich auf die Hügel
gerettet und in den vergangenen Tagen von Kokosnüssen
ernährt haben, hoffen die Behörden.
Die Hilfsmaßnahmen
sind inzwischen eingeleitet. «Wir zeigen den Überlebenden,
wie sie Zelte aufbauen und Gräben ausheben können»,
sagte J.M. Devadoss, ein Sprecher der indischen Streitkräfte.
Erste Latrinen seien errichtet worden. «Das größte
Problem ist der Ausbruch einer Epidemie.»
Der stellvertretende indische
Innenminister Sri Prakash Jaiswal sprach von der größten
Rettungsaktion in der Geschichte des Landes. 74 Millionen
Tonnen Nahrungsmittel, 41 Millionen Tonnen Trinkwasser und
44 Millionen Tonnen Medikamente seien auf die gesamte Inselgruppe
im Golf von Bengalen transportiert worden. Die offizielle
Opferzahl für ganz Indien lag bis zum Sonntag bei mehr
als 9.000, auf den Andamanen und Nikobaren wurden 812 Leichen
beigesetzt. Allerdings werden noch mehr als 5.400 Personen
in der Region vermisst.
Auf Car Nicobar suchten
am Sonntag paramilitärische Einheiten mit Spürhunden
in den Trümmern nach Überlebenden und Toten. Das
Dorf Malacca war komplett zerstört, das einzig erhaltene
Bauwerk war eine Statue des indischen Unabhängigkeitskämpfers
Mohandas Gandhi. Der Rauch zahlreicher Feuer, in denen Trümmer
verbrannt wurden, verdunkelte die Luft. Um die Auffanglager
für die Überlebenden wurden Gräben angelegt,
um Giftschlangen abzuhalten.
Eine Straße, die
die Japaner während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg
angelegt hatten und die seitdem nicht mehr genutzt wurde,
wurde wieder befahrbar gemacht. «Wir sind inzwischen
mit Hubschraubern in den meisten Dörfern gelandet»,
sagte Devadoss. «Nun bringen wir Hilfsmittel in die
Orte, die wir auf Straßen erreichen können.»
Die 500 Inseln der Andamanen
und Nikobaren erstrecken sich über eine Fläche
mit einer Längenausdehnung von 7.000 Kilometern. Nur
etwa 30 Inseln sind bewohnt. Die südlichsten Inseln
waren nur 500 Kilometer vom Epizentrum des Seebebens entfernt.
Freitag 31. Dezember 2004, 09:45 Uhr
Indien unterstützt Rettungsarbeiten in Indonesien
mit zwei Schiffen
Neu-Delhi (AP) Die indische
Marine hat am Freitag zwei Schiffe nach Indonesien entsandt,
die dort bei der Bewältigung der Folgen der Flutkatastrophe
helfen sollen. Ein Schiff transportiere Hilfsgüter
und Rettungskräfte, das andere diene mit 50 Betten
als Lazarett, erklärte ein Sprecher der Marine. Ein
weiteres Lazarettschiff wurde auch nach Sri Lanka entsandt,
wo nun insgesamt fünf indische Schiffe im Einsatz sind.
Indien, selbst schwer von der Naturkatastrophe betroffen,
hat darüber hinaus zwischen der Inselgruppe der Andamanen
und Nikobaren sowie den Malediven 32 weitere Schiffe und
29 Flugzeuge im Einsatz, die die Koordinierung der Aufräumarbeiten
unterstützen.

Freitag 31. Dezember 2004,
08:13 Uhr
Entwarnung nach Tsunami-Alarm in Indien
Neu Delhi (dpa) - Nach
dem Tsunami-Alarm in Indien hat das Innenministerium in
Neu Delhi Entwarnung gegeben. Die Bundesstaaten an den Küsten
sollten aber weiter wachsam sein. Der Alarm hatte gestern
zu massiver Panik an den Küsten in Indien und Sri Lanka
geführt. Fünf Tage nach der Jahrhundert-Katastrophe
wächst inzwischen rund um den Indischen Ozean die Seuchengefahr.
Mindestens 120 000 Menschen verloren ihr Leben. In Thailand
sind von den etwa 3700 Toten mehr als 2000 westliche Ausländer,
teilten die Behörden mit.
Mittwoch 29. Dezember 2004,
19:09 Uhr
Indien kündigt Aufbau von Tsunami-Frühwarnsystem
an
Neu-Delhi (AP) Drei Tage
nach der verheerenden Flutwelle hat Indien als erstes der
betroffenen Länder den Aufbau eines Frühwarnsystems
gegen Tsunamis angekündigt. Es werde zweieinhalb Jahre
dauern, bis das erforderliche Netzwerk von Sensoren eingerichtet
sei, erklärte Wissenschaftsminister Kapil Sibal am
Mittwoch in Neu-Delhi. Die Kosten für das Projekt bezifferte
er mit schätzungsweise 1,25 Milliarden Rupien (rund
20 Millionen Euro)
Der Subkontinent hatte vor der dem Seebeben ein solches
System mit der Begründung abgelehnt, Tsunamis hätten
in der indischen Geschichte bisher keine Rolle gespielt.
Donnerstag 30. Dezember 2004, 14:38 Uhr
Kein Kontakt zu mehreren Stämmen auf Andamanen
und Nikobaren
Neu Delhi (dpa) - Nach
der verheerenden Flutwelle in Indien ist das Schicksal mehrerer
Eingeborenenstämme auf der Inselgruppe Andamanen und
Nikobaren weiter ungewiss. Das Ministerium für Stammesangelegenheiten
teilte in Neu Delhi mit, Hilfslieferungen hätten zunächst
nur zwei Stämme erreicht. Vom Stamm der Onges, der
vor der Katastrophe nur noch rund 100 Menschen umfasste,
seien mindestens 60 Angehörige tot oder vermisst. 3000
der 26 000 Nikobaresen würden vermisst.
Mittwoch 29. Dezember 2004,
06:52 Uhr
Impfung von 65.000 Menschen in Indien beginnt
Nagappattinam/Indien (AP)
Die Gesundheitsbehörden in Indien haben am Mittwoch
mit der Impfung von 65.000 Menschen begonnen, die bei der
Flutkatastrophe am Sonntag obdachlos geworden sind. 65 Ärzteteams
machten sich auf den Weg in die betroffenen Gebiete im Südosten
des Landes. «Die Überlebenden werden gegen Cholera,
Typhus, Hepatitis A und Ruhr geimpft», sagte ein Mitarbeiter
des Gesundheitsministeriums. Nach einer jüngsten Erklärung
der Regierung liegt die Zahl der Todesopfer in Indien inzwischen
bei 4.491. Allerdings werden auf den zu Indien gehörenden
Andamanen und Nicobaren noch 8.000 Menschen vermisst.
Dienstag 28. Dezember 2004, 12:14 Uhr
Keine Verstrahlung durch beschädigtes Atomkraftwerk
in Indien
Neu-Delhi (AP) Ein bei
der Flutkatastrophe beschädigtes Atomkraftwerk in Südostindien
stellt nach Darstellung der Regierung keine Bedrohung für
die Umwelt dar. Die Anlagen seien sicher, sagte am Dienstag
der Nationale Sicherheitsberater J.N. Dixit in Neu-Delhi.
Es gebe kein Risiko, dass radioaktive Strahlung freigesetzt
werde.
Das Atomkraftwerk Kalpakkam
in der Nähe von Madras wurde am Sonntag teilweise überflutet
und abgeschaltet. Die Anlage werde jetzt trocken gelegt
und gesäubert, sagte Dixit. Nach seinen Angaben kamen
in der Umgebung des Kraftwerks 61 Menschen ums Leben, von
denen 31 in Kalpakkam als Arbeiter beschäftigt waren
Montag 27. Dezember 2004,
15:24 Uhr
Pakistan bietet Indien Unterstützung für
Katastrophengebiet an
Islamabad (AP) Mit einem
pakistanischen Hilfsangebot an Indien haben die zweitägigen
Konsultationen der Außenminister beider Staaten begonnen.
Die Regierung in Islamabad habe Neu Delhi Unterstützung
beim Rettungseinsatz für die Opfer der Flutwelle vom
Sonntag angeboten und dem Nachbarland seine Solidarität
ausgesprochen, sagte Masood Khan, Sprecher des pakistanischen
Außenministeriums, am Montag vor Journalisten in der
pakistanischen Hauptstadt. Pakistan wolle ferner Hilfslieferungen
nach Sri Lanka schicken, Kriegsschiffe und Hubschrauber
seien bereits auf den Malediven im Einsatz.
Der pakistanische Außenminister
Riaz Khokar empfing am Montag seinen indischen Amtskollegen
Shyam Saran. Auf der Tagesordnung der Gespräche vom
Montag standen nach offiziellen Angaben zunächst die
Bekämpfung des Drogenhandels, Grenzkonflikte und ein
geplanter grenzüberschreitender Busverkehr in Kaschmir.
Erörtert werden sollten ferner die Themen Terrorismus,
die wirtschaftliche Kooperation und vertrauensbildende Maßnahmen
in atomaren Fragen.
Die eigentlichen Beratungen
über den Kaschmir-Konflikt seien für den Dienstag
geplant. Dies ist der erste offizielle Dialog über
die umstrittene Himalaya-Region seit Beginn des Friedensprozesses
vor einem Jahr. Beide Länder beanspruchen das gesamte
Gebiet für sich und haben seit ihrer Unabhängigkeit
im Jahr 1947 deswegen zwei Mal Krieg gegeneinander geführt.
Experten erwarten in dieser Frage noch keinen Durchbruch.
Allerdings dürften Khokar und Saran einen konkreten
Zeitplan für die nächsten bilateralen Gesprächsrunden
ranghoher Beamter festlegen.
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